Anfahren am Berg will gelernt sein, dachte sich wohl auch der junge Moldawier, nachdem er mit lautem Krachen rückwärts mit seiner Anhängerkupplung in die Front unseres geparkten Autos gerollt war. Und das in der Hauptstadt des ärmsten und korruptesten Landes Europas. Pech gehabt. Es folgten die notwendigen Behördengänge zur Polizei (gutmütige Faulpelze) und zur Versicherung (böswillige Sturköpfe). Mussten wir in der brüchigen Polizeistation lediglich akzeptieren, dass die Beamten sich lieber den lauten Seifenopern im Fernsehen widmeten, als ihre Unfallformulare mit irrelevanten Details wie der aktuellen Lufttemperatur zu vervollständigen, kamen wir uns bei der Versicherung vor wie Asterix und Obelix im Irrenhaus - in jedem Zimmer bekamen wir andere, gegensätzliche Auskünfte zur Schadensabwicklung. Nur in einem Punkt herrschte Einigkeit: schnell sollte es nicht gehen. Nun ist Moldawiens kleine Hauptstadt Chisinau ganz nett und es gibt etliche gute Weine zu verkostigen; mehrere Wochen wollten wir jedoch nicht hier verweilen. Nach einigem Hin und Her konnten wir schliesslich erreichen, dass wir das Auto bereits am folgenden Tag in eine Werkstatt bringen durften, die den Schaden in 3-4 Tagen reparieren würde. Die Wartezeit wollten wir nutzen, um ans Meer nach Odessa in der Ukraine zu fahren. Die meisten Busse durchqueren auf dem Weg nach Odessa die winzige kommunistische Republik Transnistrien, die sich nach blutigem Bürgerkrieg 1992 von Moldawien unabhängig erklärt hatte und seitdem mit Hilfe der Russischen Armee die erkämpften Grenzen sichert. Kommunistische Prachtbauten, breite Strassen, Bürgerkriegsdenkmäler und Leninstatuen prägen das Bild von Tiraspol, der Hauptstadt der kleinen Republik. Ansonsten gibt es nicht viel zu sehen. Erst während der Weiterfahrt und nach Überquerung der Grenze zur Ukraine fiel uns auf, dass wir wegen der komplizierten rechtsstaatlichen Situation formal gesehen Moldawien gerade illegal verlassen hatten - uns fehlte der Ausreisestempel im Pass. Kein guter Schachzug, zu dem wir uns da beglückwünschen durften, stand doch unser Auto, von dem wir uns nun schon für immer getrennt sahen, noch mit all unserem Hab und Gut in einer Werkstatt in Moldawien. Unsere beste Option, beschlossen wir, war es, nach illegaler Ausreise auch wieder illegal nach Moldawien einzureisen. Nach einem Tag in der schönen Stadt Odessa setzten wir uns also etwas nervös wieder in einen Bus, der uns über Transnistrien nach Chisinau, Moldawien, bringen sollte. Diesmal hatten wir Glück, die Rechnung ging auf. Der Busfahrer schmierte die Zollbeamten mit ein paar Stangen Zigaretten und wir waren wenig später wieder in Moldawien. Auch das Auto war inzwischen ausgebessert (und erfolglos nach Wertgegenständen durchsucht) worden und wir waren wenig später "on the road again". Etwas anstrengende Tage - aber eine Reise ist eben eine Reise und kein Urlaub.
Orthodoxe Kirche in Chisinau, Moldawien
Krumme Rücken auf dem Weg zum Gottesdienst
Einsam in der Höhle sitzt ein Mönch in seinem Felsenkloster
Hammer, Sichel, goldene Ähren und Leninstatuen gibt es in Tiraspol, Transnistrien, zu sehen
Ein Kriegerdenkmal erinnert an die tapferen Helden, die im Unabhängigkeitskrieg ihr Leben liessen.
Auch in kommunistischen Mini-Republiken zeigt frau sich heute farbenfroh freizügig (Busbahnhof Tiraspol)
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